Das UNESCO-Welterbe

Das Kultur- und Naturerbe der Welt - Eine kurze Einführung


Was haben die Pyramiden in Ägypten gem
einsam mit dem Grand Canyon, die Küste von Amalfi mit dem Taj Mahal, und die Altstadt von Cuzco in Peru mit dem Ngorongoro-Krater in Tansania? Sie gehören zu den bedeutendsten Zeugen vergangener Kulturen, einzigartigen Naturgebieten und über Jahrhunderte gewachsenen Kulturlandschaften, deren Zerstörung ein unersetzlicher Verlust für die ganze Menschheit sein würde.

Solchen Stätten von "außergewöhnlichem universellem Wert" zu schützen, ist daher nicht nur die Verantwortung eines einzelnen Landes, sondern Aufgabe der Welt-gemeinschaft. Das ist die Idee des "Übereinkommens über den Schutz des Natur- und Kulturerbes der Welt", das von den Mitgliedstaaten der UNESCO1 im Jahr 1972 vereinbart wurde.Bis heute sind 161 Länder Vertragsstaaten dieser "Welterbekonvention". Um ein Vertragsstaat des Übereinkommens zu werden, muss das Parlament eines Landes das Übereinkommen als nationales Gesetz verabschieden, ein Verfahren, das "Ratifizierung" heißt.

Entscheidungen über alle Fragen im Zusammenhang mit dem Welterbe werden jährlich vo
m Welterbekomitee getroffen, das aus 21 Vertragsstaaten des Übereinkommens besteht, die nach einem regionalen Schlüssel jeweils für einen Zeitraum von vier Jahren gewählt werden. Unter seinen vielen Aufgaben untersucht das Welterbekomitee, ob die Stätten, die von den Vetragsstaaten nominiert worden sind, eines oder mehrere der 10 Kriterien erfüllen, die in den Durchführungsbestimmungen der Konvention festgelegt sind. Darüberhinaus müssen die Stätten ein hohes Maß an Authentizität und Integrität aufweisen.

Der Internationale Rat für die Erhaltung von Denkmälern (ICOMOS), die Internationale Naturschutzunion (IUCN) und der Internationale Rat für die Konservierung und Restaurierung von Denkmälern (ICCROM⁴) agieren als Beratergremien für das Welterbekomitee. Siesollen sicherstellen, dass Entscheidungen von wissenschaftlicher Expertise geleitet werden.

Das Sek
retariat des Übereinkommens, das zuständig für die Durchführung der Beschlüsse des Welterbekomitees ist, ist das Welterbezentrum am Hauptsitz der UNESCO in Paris.

Das Welterbekomitee berichtet über sei
ne Arbeit alle zwei Jahre der Generalversammlung der Vertragsstaaten des Übereinkommens. Die Arbeit der beiden Einrichtungen ist in ihrer Geschäftsordnung geregelt.

Nur die nationalen Regierungen der Vertragsstaaten haben das Recht, eine
Stätteals Welterbe zu nominieren. Um eine Welterbestätte zu werden, muss die Regierung zunächstihre Absicht bekannt geben, indem sie sie auf eine vorläufige Liste der Stätten setzt, die in der Zukunft vorgeschlagen werden sollen. Dann muss das Land sie offiziell nominieren, und durch Beschluss des Welterbekomitees kann sie in die Welterbeliste eingeschrieben werden. Die Verantwortung für ihren Schutz und Pflege liegt in erster Linie bei dem Staat, in dessen Hoheitsgebiet sie sich befindet.

S
tätten müssen nach durch Gesetze des jeweiligen Landes streng geschützt werden, überzeugende Managementpläne müssen vorliegen und die notwendigen Mittel für deren Umsetzung müssen im Staatshaushalt zur Verfügung stehen. Stätten, die bedroht sind, ihren außergewöhnlichen universellen Wert zu verlieren, können auf die Liste des gefährdeten Welterbes ("Rote Liste") gesetzt und schließlich durch Beschluss des Welterbekomiteesvon der Welterbeliste gelöscht werden.

 

Im Mai 2015 umfasst die Welterbeliste insgesamt 1.031 Stätten in 163 Ländern. Im Vergleich zu 802 Kulturstätten (einschließlich Kulturlandschaften), ist das Naturerbe mit 197 Stätten unterrepräsentiert. Weitere 32 Stätten sind als gemischte Kultur- und Naturstätten eingeschrieben. 46 Stätten stehen derzeit auf der Liste des gefährdeten Welterbes. Im Durchschnitt werden jedes Jahr mehr als 20 Stätten neu in die Welterbeliste aufgenommen.


   Das Welterbe-Emblem zeigt die gegenseitige Abhängigkeit der Kultur- und Naturgüter. Das zentrale Quadrat symbolisiert eine von Menschen geschaffene Form, während der Kreis die Natur darstellt; beide durchdringen sich gegenseitig. Das Emblem ist rund wie die Erde und auch ein Symbol des Schutzes.

 

Die Welterbeliste umfasst nur unbewegliche Güter (Stätten). Das immaterielle Kulturgut (z.B. Tanz- und Musiktraditionen, Handwerks- und Kochkunst, Zeremonien und Feste) wird durch die "Konvention über den Erhalt des Immateriellen Kulturerbes" von 2003 geschützt und gefördert. Bedeutende historische Dokumente können in das Register "Gedächtnis der Welt" aufgenommen werden. Diesem liegt jedoch keine internationale Konvention zugrunde, sondern ein UNESCO-Programm des gleichen Namens.

 

1 United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization

2 International Council on Monuments and Sites

3 International Union for the Conservation of Nature

4 International Centre for the Conservation and Restoration of Monuments